RivvaVier Jahre nach unserem ersten Interview mit Frank Westphal hat sich der Chefkoch von Rivva erneut unseren Fragen gestellt. — Ihr erfahrt, wie es zum Relaunch des Projekts kam, was BMW mit der Sache zu tun hat und warum die Optima-Schriftart für Erheiterung bei Frank gesorgt hat.

Rivva ist seit Juni 2011 wieder zurück. Was hat sich geändert?

Eine zweite Chance zu bekommen, hat das Projekt sicher grundlegend verändert. Scheitern gehört mit zur Roadmap. Das war eine zwar bittere Erfahrung, doch lehrreiche Lektion.
Ich war zwischenzeitlich auch von meinem eigenen Weg abgekommen und hab mich zu lange an Strohhalme geklammert. Niemand trifft gute Entscheidungen, wenn er in Finanznöten steckt. In eine so vertrackte Situation möchte ich nie wieder kommen. Von irgendwas muss der Schornstein rauchen. Ignore at your own risk.

Hätte es Rivva auch ohne BMW / mokono wieder zurück geschafft?

Jein. Sicherlich nicht in dieser Gestalt.
Mein Plan B war, in Richtung Software as a Service zu gehen. Momentan denke ich, dass dies ohnehin Rivvas Zukunft sein wird, und arbeite an ersten Produkten.
Die Unterstützung vonseiten mokono und BMW ist halt ein echter Segen und natürlich auch ein super Schulterklopf für das gesamte Social Web.

Wie sah dein E-Mail-Postfach zwischen Februar und Juni 2011 aus?

Da war alles dabei: Das Bedauern, tatenlos zugeschaut zu haben, obwohl die Anzeichen lange klar waren. Die Frage, warum eigentlich niemand einen Rettungsring zugeworfen hat, obwohl sich alle einig waren. Die Angebote, das Projekt aufzukaufen oder zumindest weiterzuführen. Die Aufforderung, meine Arbeit doch wenigstens unter Open Source zu stellen. Die Anfragen der Presse, die auf einmal über ein Projekt berichten wollte, als es zu spät war. Die Danksagungen. Die Abschiede.
Ich war in dieser Zeit aber auch nicht sehr einfach. Selbst Vasco von mokono hat sich mindestens 3x die rote Karte abgeholt, dann aber auch nicht aufgegeben.

Wird es wieder Sponsored Posts geben?

Eines Tages vielleicht. BMW i hat die Werbepartnerschaft durch mokono gerade erst bis Ende 2012 verlängert. Die Vermarktung ist exklusiv und gibt in dieser Form deutlich mehr Planungssicherheit.
Das Interesse am Modell Sponsored Posts, obwohl anfangs geradezu überwältigend, ging ja bekanntlich nach vier Monaten schlagartig verloren. War auch naiv von mir zu glauben, ich könnte die Vermarktung so nebenbei erledigen.

Unter social.rivva.de ist von einem eventuellen Premium-Angebot die Rede. Wie könnte das konkret aussehen?

Gedacht war an sich, den alten Twitter-Agent wiederzubeleben und den Nutzern volle Kontrolle über die Datenströme und Algorithmen zu geben, quasi einen Baukasten à la Yahoo Pipes anzubieten.
Information Diet, Filter Bubble und die Kritik am Algorithmus stehen ja gerade hoch im Diskurs – die Ermächtigung der Leser, sich nach eigenem Gusto eine persönliche Frank-Schirrmacher-Maschine (wie Wolfgang Michal sie taufte) zusammenklicken zu können, die umso besser wird, je länger man sie benutzt, wäre nur der nächste konsequente Schritt.
Für mich selbst habe ich viele der dafür nötigen Bauklötzchen bereits fertig. Die große Herausforderung wird jedoch sein, die Gesamtkomplexität hinter einem intuitiven User Interface zu verbergen. Wer diese Nuss knackt, gewinnt.

Mittlerweile fließen Blog-Links, Tweets, Likes, Shares und +1 in das Ranking ein. Ist ein Tweet wichtiger als ein Like? Ein Blog-Link mehr als ein +1?

Kommt drauf an, gibt viele Einflussfaktoren. Der Nachrichtenwert besitzt zum Beispiel eine wichtige zeitliche Komponente. Und nicht alle Merkmale, die die Maschine auswerten kann, sind so leicht interpretierbar wie die Anzahl Links, Tweets und dergleichen. Für uns Menschen sowieso nicht.

Sind Links aus Blogs überhaupt noch nötig, um bei Rivva aufzutauchen? Und was sagt das über die Blogosphäre aus?

Ja, und das wird auch immer so bleiben. Es geht Rivva ja gar nicht so sehr um die Schlagzeilen selbst wie um die Ebene darunter. Felix Schwenzel hat das Rivva-Prinzip einmal toll ausformuliert.

Letzte Frage: Wieso nutzt Techmeme jetzt die Optima-Schrift?

Das ist eine wirklich lustige Geschichte: Ich hab seinerzeit sowohl Rivva selbst als auch das Blog in Optima gesetzt, weil ich die Zapf-Schrift auf dem Mac schon immer mochte. Da ich mich in den Anfangstagen noch stark an Techmeme orientiert habe, die visuelle Hierarchie übernommen hatte usw., ist es jetzt so, als würde ich meinem Rivva von 2008 in den Spiegel blicken. Ganz seltsames Gefühl.
Heute verwende ich die Schrift nur noch für Überschriften im Blog. Richtig gut lesbar geworden ist Techmeme durch das Facelift jetzt nicht. Scannbar noch weniger.
Oliver Reichenstein scherzte einmal in einem Podcast damit, dass er von allen Seiten im Netz am liebsten Techmeme einen neuen Anstrich verpassen würde. Ich hoffe, er bekommt seinen Wunsch nochmal.

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7 Kommentare zu “Interview mit Frank Westphal: “Scheitern gehört mit zur Roadmap””


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