Fußball, WordPress, Mathe: Mit Compare The Leagues habe ich drei meiner liebsten Hobbies verbunden (ihr dürft ruhig lachen). Seit September 2011 ist die Seite online und für meine Verhältnisse auch recht erfolgreich: Bisher haben sich knapp 26.000 Menschen aus aller Welt durch die Statistiken gewühlt. Hier ein Zwischenfazit.

Sand am Meer
Es gibt unglaublich viele Fußballstatistik-Webseiten. Nicht wenige davon existieren für Internetverhältnisse seit ewigen Zeiten, haben eine loyale Fanbase und werden bei entsprechenden Suchanfragen von Google nicht selten noch vor Wikipedia gelistet. Mit anderen Worten: Die Claims sind abgesteckt.
Umso überraschender, dass sich kaum eine etablierte Seite mit den durchaus spannenden Liga-Statistiken beschäftigt: Wo fallen im Vergleich die meisten Tore, wo gibt es die meisten Zuschauer, wo gewinnen häufiger mal die Auswärtsteams?

The shit I put up with
Ich wollte eine Seite schaffen, die man gerne in den Bookmarks hat, um bei Bedarf darauf zugreifen zu können. Alles soll auf einen Blick sichtbar — und wenn nicht — mit so wenigen Klicks wie möglich erreichbar sein. Besucher sollen die Sortierung bei allen Tabellen selbst bestimmen können (→ WP-Table-Reloaded mit manueller Sortierung).

Ich nix sprechen dein Sprach
Compare The Leagues ist mein erster Versuch, eine englische Seite aufzubauen, was natürlich Auswirkungen auf die (internationale) Reichweite hat. 70% aller Besucher kommen aus USA/GB, gefolgt von DE mit 16%, NL mit 8% und FRA mit 4%.

Besucherströme
Ich hab die Seite bei Reddit und Twitter etwas promoted und dabei feststellen müssen, wie unterschiedlich die beiden Netzwerke funktionieren: Reddit ist ein Paradebeispiel für breite Streuung, die dazu führt, dass auch Leute auf die Seite kommen, die mit dem Inhalt nur bedingt etwas anfangen können. Bei Twitter hingegen, wo anscheinend doch nicht jeder Link geklickt wird, ist durch die Follower-Selektion (und das einhergehende Vertrauen) schon von vornherein ordentlich gesiebt worden, so dass ein Twitter-Nutzer die Seite im Durchschnitt interessanter findet als ein Random Redditor, der Fußball womöglich auch noch Soccer nennt.

Interessante Verweildauer
Die angesprochene Streuung lässt sich gut an der Besuchszeit festmachen: Nutzer von Reddit waren im Durchschnitt nur für 1m11sec auf der Seite, Twitter-User für 1m46sec. Noch besser sieht es bei Facebook aus: 2m13sec war hier der Durchschnittswert. Das bestmögliche Publikum kam hingegen von allesaussersport.de, Nutzer von dort schauten sich die Seite im Durchschnitt für 3min16sec an.
Nach Nationalitäten aufgeschlüsselt ergibt sich ein interessantes Bild: Am längsten waren Niederländer auf Compare The Leagues, gefolgt von Deutschen, Franzosen und Engländern. Erst ganz am Ende der Tabelle findet man die Amerikaner wieder. :/

Dorftrottel Google
Der Umgang von Google mit der Seite hat mir einen tollen Einblick in die Funktionsweise der Suchmaschine gegeben. Google wusste am Anfang definitiv nicht, was mit Compare The Leagues anzufangen sei. Als nach ein paar Wochen der Groschen “Fußball” gefallen war, schickte Google mir allerhand Besucher mit generischen Suchbegriffen vorbei, die größtenteils kopfschüttelnd wieder von dannen zogen. — Erst als Google neben “Fußball” auch die Begriffe “Statistik” und “Europa” mit einbezog, kamen die richtigen Besucher vorbei. Die Besuchszeit der von Google reingespülten Nutzer hat sich von wenigen Sekunden auf mittlerweile 6m56sec gesteigert. Google kann jetzt sehr genau einschätzen worum es bei Compare The Leagues geht und schickt (fast) nur noch Leute vorbei, die ihre Fragen mit meinen Daten zur Zufriedenheit beantworten können. Feels good man.

Verlinkung
Compare The Leagues ist laut Google Webmaster Tools bisher von 141 Webseiten verlinkt worden. Die Links stammen zu einem großen Teil aus Fußball-Foren und -Blogs, wo dann jede Statistik durch die Vereinsbrille kommentiert wird. Gesondert hervorheben möchte ich noch das norwegische Revolverblatt vg.no, welches ganz qualitätsjournalistisch ohne zu fragen einen Teil der Tabellen übernommen hat.

Was kommen wird
Wie oben schon erwähnt gibt es unzählige Webseiten, die jede noch so uninteressante Fußballstatistik aufbereiten. Ich werde Compare The Leagues nicht zur eierlegenden Wollmilchsau ausbauen und mich stattdessen auf den namensgebenden Vergleich europäischer Fußball-Ligen sowie gelegentliche Ad-hoc-Untersuchungen und natürlich Daten-Updates beschränken.

Wordpress in Ausblick auf WordPress 3.4 und TwentyTwelveLangsam verdichten sich die Details zur kommenden Version von WordPress und dem neuen Standardtheme TwentyTwelve. Was uns mit WP 3.4 ganz sicher, wahrscheinlich, vielleicht und auf keinen Fall erwartet, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

WordPress 3.4 soll unter dem Motto “Making it easier to make your site look how you want it to look” stehen. Der Fokus liegt also bei Theme-Individualisierungen, umfasst aber auch den Umgang mit Widgets und eine bessere Lösung für Theme-Previews.

Neues Standardtheme TwentyTwelve
Nach TwentyTen und TwentyEleven wird WP 3.4 mit einem neuen Standardtheme daherkommen. Dieses wird überraschenderweise TwentyTwelve heißen. — Erstmals wird die Startseite des Themes in der Grundeinstellung nicht mehr die letzten Blogartikel anzeigen, stattdessen soll eine statische Seite als Frontpage eingesetzt werden. Ein weiterer Schritt weg von der “Blogsoftware” hin zu einem “normalen” Content Management System.

Header ohne Headerbild
Eine weitere Premiere: TwentyTwelve wird standardmäßig kein Headerbild mehr anzeigen, diese aber natürlich weiter unterstützen. Anders als bei TwentyEleven wird der Nachfolger auch das Artikelbild (Featured Image) nicht mehr automatisch im Header anzeigen — ein Feature, das ohnehin eher verwirrt hat, besonders dann, wenn User das Headerbild abgeschaltet haben.
Headerbilder sollen mit WP 3.4 zudem in der Höhe variabel eingestellt und aus bestehenden Mediathek-Bildern gewählt werden können. Ein separater Upload ist also nicht mehr nötig — das gilt auch für Hintergrundbilder.

Vorschau, Konfiguration, Aktivierung
Noch nicht zu 100% bestätigt (aber es wird dran gearbeitet): Es soll ein Framework zur Konfiguration und Aktivierung von Themes geben, das Headerbild, Hintergrund, Menüs und Widgets umfasst. In der Praxis könnte es so aussehen, dass nicht mehr nach, sondern vor der Theme-Aktivierung wichtige Einstellungen vorgenommen werden können — so wird gesichert, dass die Seite bei einem Wechsel des Themes gleich einsatzfähig ist und nicht zwischenzeitlich ohne die richtigen Menüs und Widgets halbkonfiguriert dasteht.

Title-Tags nicht mehr vom Theme abhängig
Bisher ist es so, dass Title-Tags über die header.php bestimmt werden. Wird das Theme gewechselt, muss man die Einstellungen erneut vornehmen — dieses Ärgernis wird mit WP 3.4 (wahrscheinlich) der Vergangenheit angehören. Title- und Description-Tags werden über die General Settings seitenweit und damit unabhängig vom gewählten Theme eingestellt. Hier die Reaktion von Matt Cutts.

Meine persönliche Einschätzung
Auch wenn viele der genannten Änderungen primär das Standardtheme betreffen, so sind sie doch für WordPress allgemein von hoher Bedeutung, weil sie eine starke Signalwirkung haben. Wenn TwentyTwelve mit statischer Frontseite und ohne Headerbild daherkommt, werden viele andere Themes nachziehen.
In den Entwickler-Ankündigungen zu WP 3.4 habe ich vor allem News zu Post-Formaten vermisst. Hier würde ich mir eine wesentlich nutzerfreundlichere UI-Lösung wünschen, die einen weniger ratlos im Post-Editor rumklicken lässt. Das jetzige “one size fits all”-Prinzip ist gerade für neue User einfach nicht zu durchschauen.

→ Mehr Infos im WordPress Development Blog

Eine völlig sinnfreie Idee: Ein Videospiel, bei dem man mal nicht den Helden, sondern einen unbedeutenden NPC spielt, der dann natürlich kein NPC mehr ist.

Man steht morgens auf, geht seinen vorgegebenen Path entlang (nicht mehr als zehn Meter) zur Arbeitsstelle (wahrscheinlich eine Schmiede), führt die einzige Animation aus, die von den Programmierern vorgesehen wurde (schmieden) und trottet abends wieder zurück ins Bett. Am nächsten Tag beginnt alles wieder von vorne. Tage, Wochen, Monate, Jahre vergehen, und dann… kommt der Held vorbei!

Was folgt, ist das Highlight des Spiels: Man darf endlich seinen Satz sagen!

Ich hab gehört die Thrakeruskeristen sind schon vor den Toren der Stadt!

Der Held zieht wortlos weiter, nur um wenig später erneut aufzutauchen, diesmal schleichend. Als loyaler NPC lassen wir uns natürlich klaglos beklauen. Und wieder ist ein Tag vorbei.

Wordpress in WordPress-Themes: Erwartung vs. NutzungWordPress 3.0 und die folgenden Sub-Releases haben deutlich gemacht, dass der Fokus nicht mehr wirklich bei der Entwicklung einer Blogsoftware liegt, sondern bei einem möglichst eierlegenden, full-flexed Content-Management-System für jede erdenkliche Art von Webseiten. Der aktuelle Zustand von WP 3.3.1 lässt sich meiner Meinung nach gut mit “Identitätskrise” bezeichnen.

WordPress ist mit jedem neuen Update umfangreicher geworden, und die Anforderungen an Theme-Entwickler sind mittlerweile enorm, gerade wenn man im offiziellen Verzeichnis bei wordpress.org gelistet werden möchte. Das ist verständlich, wollen die WP-Macher doch möglichst nur solche Themes anbieten, die die neuen Funktionen ohne Zickerei unterstützen.

Custom Headers, Custom Menus, Custom Backgrounds, Post Types, Post Formats, mehrere Widget-Bereiche, dazu umfangreiche Optionen-Seiten mit über 9000 Layout-Optionen… das alles sind Features, die heute einfach in ein WP-Theme gehören. So wird es zumindest kommuniziert.

“Schlanke” WP-Themes scheinen heute fast ausgestorben zu sein, ohne functions.php im zweistelligen Kilobyte-Bereich geht heute nichts mehr. Mich würde mal interessieren, wie viele User Post-Formate wie “audio” und “chat” wirklich nutzen. Wenn es nur einer von Tausend sein sollte, was ich für halbwegs realistisch halte, warum müssen die restlichen 999 diesen Ballast mit sich rumschleppen? (Und es sind nicht nur die Betreiber, auch jeder Besucher hat zusätzlichen, aber nutzlosen Load.)

Sollte es nicht eigentlich so sein, dass Themes vor allem das Aussehen einer Seite bestimmen, während im Einzelfall benötigte Funktionen nachträglich durch Plugins ermöglicht werden?
Ein gutes Beispiel sind die Theme-Optionen-Seiten. Diese sind oft gut gemeint, was ja bekanntlich das Gegenteil von gut gemacht ist. Prinzipiell können Nutzer ohne CSS-Kenntnisse ganz einfach Farben und Formen der Webseite bestimmen. In der Realität sieht es oft so aus, dass sich Optionen-Seiten als Spielzeughammer entpuppen: Man kann zwar irgendwie damit arbeiten, aber wenn man wirklich was ändern will sind sie eher hinderlich, weil die Funktionen mit dem zusätzlichen Layer der möglichen Nutzereingabe überzogen sind (functions.php-Hackerei statt dafür vorgesehene CSS-Befehle). In der Praxis ist ein WP-Theme ohne Optionen-Seite einfacher zu individualisieren, weil auch das umfangreichste Setting ein Stylesheet eben nicht ersetzen kann.

Hinzu kommt, dass Optionen-Seiten auch 2012 ein vergleichsweise arbeitsintensives unterfangen sind. Man schaue sich die functions.php des Standardthemes TwentyEleven an und zähle die Code-Zeilen, die nötig sind, nur um ein einfaches HTML-Colorwheel zu ermöglichen. — Themes wirken heute zunehmend wie Plugins mit angehängter style.css.

Ich würde mich über eine Diskussion zu diesem Thema sehr freuen: Was erwartet ihr ganz allgemein von einem WordPress-Theme? Wo liegen die Prioritäten, was ist euch eher egal? Was haltet ihr prinzipiell von Optionen-Seiten?
Oder anders formuliert: Was muss ein Theme heute leisten können, damit es bei euch in die engere Auswahl kommt?

Wie viele andere Internetschreiber habe auch ich den Fehler gemacht, Google Plus für ein soziales Netzwerk zu halten. Rein äußerlich betracht mag das nach wie vor stimmen, man veröffentlicht und teilt Inhalte, fügt “Freunden” Listen hinzu, schreibt Kommentare usw.

Spätestens mit der heutigen Ankündigung von Amit Singhal (“Search plus Your World“) sollte klar sein, dass Google Plus vor allem eins ist: Google.

Das Unternehmen wird in den nächsten Tagen damit beginnen, Plus-Inhalte personalisiert auf die Suchergebnisse loszulassen. Die zehn blauen Links sind damit endgültig Vergangenheit, weg von der allgemeinen und hin zur persönlichen Relevanz. Verlinkungsgrad, Autorität, Besucherzahlen, kurz gesagt Geleistetes wird damit für Webseiten nicht mehr ausschlaggebend sein, um bei Google vorne mitspielen zu können. Es reicht die Empfehlung eines Plus-Kontakts — schon steht die Seite über der Konkurrenz. Die Logik dahinter: Freunde werden schon wissen was ich will.

Was bei Kochrezepten oder Point-of-Interest-Hinweisen sicher funktioniert, kann auch schnell zum Problem werden. Ich jedenfalls möchte Suchergebnisse haben, die objektiv die höchste Relevanz haben. Ich möchte dem Urteil Googles weiterhin vertrauen können, denn in den letzten zehn Jahren haben sie einen sehr guten Job gemacht, mir die jeweils passendsten Seiten zu meiner Suchanfrage aufzulisten. Wieso sollten Plus-Kontakte diese Aufgabe besser übernehmen können als ein milliardenschweres Unternehmen, das sich um nichts anderes kümmert als um die möglichst intelligente Aufbereitung von relevanten Informationen?

Mit der Integration von Plus in die Suche wird Google ohne jeden Grund subjektiv. Es ist, als wollten sie sagen, hey, wir wissen eigentlich gar nicht was du wirklich suchst, aber vielleicht wissen es ja deine Freunde? Eine Person, die du irgendwann mal aus Höflichkeit bei Google Plus nicht abgewiesen hast und die über keinerlei Autorität in diesem Bereich verfügt, empfiehlt dir Seite X.

Googles Rankingsystem basiert seit dem ersten Tag auf Empfehlungen. Jeder Link ist eine Empfehlung. Besitzen Webseiten eine gewisse Autorität, werden die Empfehlungen stärker gewichtet als die von anderen. Was Google in diesen Tagen macht: Das Rad neu erfinden. Nur kleiner, leichter und eckiger.

[Update: Real-Life Examples Of How Google's "Search Plus" Pushes Google+ Over Relevancy]

[Update 2: Rank for Anything You Want on Google Search Plus Your World]

Hier eine von mir erstellte YouTube-Playlist, die 35 Minuten feinste CGI aus den frühen Achtzigern zeigt. Ausschließlich zeitgenössisches Material aus TV-Sendungen, Videospielen und Tech-Demos. 13 Videos, 35 Minuten Laufzeit, USA, Japan, Deutschland, Wireframes, glatte Oberflächen und ruckelnde Tron-Optik. Viel Spaß!

Link zur Playlist: 1980s Computing and CGI

Ich arbeite gerade an einer Webseite für einen Künstler aus Bonn. Dieser hat einen Fotografen beauftragt, um die Plastiken ins rechte Licht zu rücken. Die Webseite ist fertig, die Bilder sind fertig. Aber die Bilder sind nicht auf der Webseite. Der Fotograf will sie mir bald zuschicken. Auf CD. Per Post. [Edit: Gesamtgröße unter 10 MB]

Nochmal: Bilder, mit einer Digitalkamera aufgenommen, auf dem Rechner des Fotografen im richtigen Format vorliegend, werden auf eine CD gebrannt, die in einen Umschlag gesteckt und durchs Land geschickt wird, damit ich sie aus dem Briefkasten hole, in den Rechner schiebe und auf einen Server hochlade.

Was. Zur. Hölle.

Aktionen dieser Art führen mir immer wieder vor Augen, wie groß die Diskrepanz zwischen Online- und Offline-Geschwindigkeiten geworden ist, und wie zunehmend ungeduldig ich auf letztgenannte reagiere, weil sie Komplikationen schafft, mit denen wir uns im 21. Jahrhundert nicht mehr beschäftigen sollten.

Auch wenn es sich noch nicht überall herumgesprochen hat: Wir haben ein weltweites Kommunikationsnetz geschaffen, in dem sich in Echtzeit Daten austauschen lassen. Wenn bei Twitter eine Nachricht verschickt wird, sehen Follower diese unmittelbar. Die Strecke, die von den Daten zurückgelegt werden muss, bis sie beim Empfänger ankommt, ist mit dem Internet angenehm unerheblich geworden. Ob der Follower nun im Nachbarort oder in Neuseeland sitzt, ist zum Glück vollkommen irrelevant.

Natürlich funktioniert die Offline-Welt aufgrund ihres nunmal physikalischen Vorhandenseins bekanntermaßen anders, weil der räumlichen Entfernung Rechnung getragen werden muss. Zwar ist auch hier eine Echtzeit-Kommunikation möglich, aber eben nur von Angesicht zu Angesicht (Telefonie ist keine Offline-Kommunikation).

Vom Internet und seiner Schnelligkeit verwöhnt, fällt es immer schwerer, für archaische Kommunikationsformen Verständnis aufzubringen. Briefe, also auf toten Bäumen verfasste Texte, sind ein klassisches Beispiel: Man zahlt Geld dafür, damit eine Nachricht seinen Empfänger findet. Dieser Empfänger muss zum Zeitpunkt des Ankommens an seiner physikalischen Adresse vor Ort sein, um die Nachricht lesen zu können. Nachrichten werden einmal täglich ausgeliefert, aber nicht am Sonntag, aus religiösen bzw. heute eher arbeitsrechtlichen Gründen.
Kapitän Offensichtlich fügt hinzu: Innerhalb eines Landes dauert es ein bis zwei Tage, bis die Nachricht ankommt. Interkontinentale Kommunikation dauert nicht selten mehrere Wochen.

So ist das halt könnte man jetzt meinen, und ja, so ist es tatsächlich. Briefe sind die Telegramme des 21. Jahrhunderts. Man könnte sie mit Wasser in Plastikflaschen vergleichen. Obwohl jeder Haushalt in diesem Land eine eigene Wasserleitung bis in die Wohnung hat, bevorzugen es manche Menschen, ihr Getränk mit einer Erdölhülle im nächsten Supermarkt zu kaufen, zu dem es mit LKWs quer durchs Land gekarrt wurde.

Das lachhafte Hauptargument für Offline-Kommunikation ist die zweifelsfreie Identifizierbarkeit von Sender und Empfänger. Selbstverständlich ist es wichtig zu wissen, ob der Sender nun tatsächlich derjenige ist für den er sich ausgibt und ob die Nachricht auch wirklich bei der adressierten Person ankommt. — Eigentlich unverschämt, dass das im Jahr 2011 noch eine Hürde darstellt, die wir technisch noch nicht gelöst haben. Konzepte wie “ePost” hätte man auch gut vor zehn Jahren einführen können, aber bitte nicht als Frickel-Lösung eines einzelnen Unternehmens, sondern als offener Standard.

Bei der Kommunikation mit Firmen und Behörden nervt es mich zunehmend so tun zu müssen, als hätte es in den letzten 20 Jahren keine Entwicklung bezüglich des effizienten Austauschs von Informationen gegeben. Dabei geht es mir weniger um die Tatsache, dass man durchaus schneller kommunizieren kann, sondern mehr darum, dass den verschiedenen Kommunikationsformen eine Wertigkeit zugesprochen wird, die nicht mehr der Lebenswirklichkeit entspricht. — Eine Unterschrift lässt sich ebenso leicht fälschen wie die E-Mail-Sender-Adresse, trotzdem gilt das eine Medium als offiziell / sicher und das andere nicht.

Als ich heute zum Briefkasten ging, lag darin übrigens nicht der erwartete Pony-Express-Umschlag des Offline-Fotografen, sondern ein dicker Brief meiner Bank. Man schickt mir ein Bündel Kontoauszüge auf Papier, das ich weder angefordert habe noch brauche. Man war dort einfach der Meinung, dass ich zu lange nicht mehr das ausgedruckt habe, was ich jederzeit online einsehen kann.





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