Wenn ein Bild mehr als Tausend Worte sagt, spricht eine interaktive Karte wohl Bände. Besonders dann, wenn sich durch Daten neue Bezüge herstellen lassen bzw. diese von den Nutzern selbst hergestellt werden können, bietet sich eine interaktive Darstellungsform an. Die Erfahrung wird dadurch quasi personalisiert und ist nicht mehr zwangsläufig von der Interpretation des Erstellers abhängig.

Im Folgenden wird erläutert, wie man mit dem Tool Fusion Tables aus langweiligen Rohdaten eine um Zusatzinformationen angereicherte, klick-, zoom- und einbettbare (?) Google Map erstellt. Continue reading “Geo-Daten aufbereiten mit Fusion Tables” »

Googles Virtual BoyGoogle hat die Katze aus dem Sack gelassen und mit einem Paukenschlag die Zukunft eingeläutet: Virtual Boy heißt die Augmented Reality-Brille, die Smartphones wie das Motorola DynaTAC 8000X bereits jetzt ganz schön alt aussehen lässt.

Der Virtual Boy ist ein echtes Leichtgewicht: Gerade mal 760 Gramm wiegt das Gerät und sollte deshalb kaum zu spüren sein. Noch erstaunlicher ist die Tatsache, dass nur sechs Batterien benötigt werden! Die Zukunft hat begonnen, Leute.
Bei den technischen Spezifikationen hat sich Google nicht lumpen lassen: Ein schier endloses Megabit D-RAM, angetrieben von zukunftssicheren 20 Megahertz, 512 KBit Video-RAM und eine fotorealistische Darstellung dank 384×224 Display. Google hat die Messlatte deutlich nach oben geschoben. Hab ich schon den Stereo-Sound erwähnt? Beat that, Apple! Continue reading “Googles Virtual Boy” »

Bringing more secure search around the globe lautet der Titel der Ankündigung Googles, künftig weltweit in der Websuche auf HTTPS statt HTTP zu setzen. Bisher wurden nur die Suchen von angemeldeten Nutzern bei Google.com verschlüsselt; gestern ist die Umstellung auch in Deutschland angekommen.

Mit HTTPS verschwinden auch die Suchanfragen, da diese logischerweise nicht mehr übertragen werden, das ist ja gerade der Sinn der Sache. Öffentliches WLAN und so weiter. Google Analytics führt das Keyword “not provided” schon jetzt so gut wie überall auf Platz eins. Im englischen Sprachraum sind wir momentan bei ca. 10% nicht übertragender Suchanfragen; deutsche Seitenbetreiber werden den Anstieg in den nächsten Tagen auch in ihren Statistiken beobachten dürfen.

Google macht 96% seines Umsatzes mit Werbung, sei es in den Suchergebnisseiten, bei YouTube oder auf Millionen Fremddomains (AdSense). Was hat das mit Verschlüsselung zu tun? Auf den ersten Blick nicht viel, auf den zweiten Blick auch nicht. Erst wenn man ein kleines Detail kennt, das Google überraschenderweise in der Ankündigung nicht erwähnt, wird der Zusammenhang deutlich: Zahlende Kunden von Google AdWords bekommen nach wie vor Zugriff auf Suchanfragen, während Otto Normalseitenbetreiber die Daten verweigert werden.

Bei Geld hört die Privatsphäre auf. Stay classy, Google.

Wie viele andere Internetschreiber habe auch ich den Fehler gemacht, Google Plus für ein soziales Netzwerk zu halten. Rein äußerlich betracht mag das nach wie vor stimmen, man veröffentlicht und teilt Inhalte, fügt “Freunden” Listen hinzu, schreibt Kommentare usw.

Spätestens mit der heutigen Ankündigung von Amit Singhal (“Search plus Your World“) sollte klar sein, dass Google Plus vor allem eins ist: Google.

Das Unternehmen wird in den nächsten Tagen damit beginnen, Plus-Inhalte personalisiert auf die Suchergebnisse loszulassen. Die zehn blauen Links sind damit endgültig Vergangenheit, weg von der allgemeinen und hin zur persönlichen Relevanz. Verlinkungsgrad, Autorität, Besucherzahlen, kurz gesagt Geleistetes wird damit für Webseiten nicht mehr ausschlaggebend sein, um bei Google vorne mitspielen zu können. Es reicht die Empfehlung eines Plus-Kontakts — schon steht die Seite über der Konkurrenz. Die Logik dahinter: Freunde werden schon wissen was ich will. Continue reading “Google Plus ist Google” »

Im ersten Artikel “Google liefert” habe ich mich darüber aufgeregt, dass Google es in letzter Zeit immer offensichtlicher macht, statt eines Suchmaschinenanbieters doch lieber Inhalte-Lieferant zu sein. Google möchte heute weniger den Weg durchs Web weisen, als Nutzer so lange wie möglich auf den eigenen Seiten zu halten.

Vor wenigen Tagen ist bei Search Engine Land ein Screenshot aufgetaucht, der keinen Zweifel mehr an Googles Strategieänderung lässt:

Ich verwette meine sämtlichen griechischen Staatsanleihen darauf, dass dieses Feature in den nächsten Monaten zum neuen Standard bei Google erhoben wird. Ein Sprecher des Unternehmens hat zwar das übliche Corporate-Bla-Bla verlauten lassen (“Google is constantly experimenting with new features”), doch die Hinweise lassen sich nicht mehr wegpressemelden.

Aber der Reihe nach: Wie konnte das passieren?

  • Google merkt, dass die AdWords-Anzeigen in der rechten Sidebar nicht mehr den gewünschten Umsatz bringen
  • Google verlegt die Anzeigen von der Sidebar einfach unter die Suchergebnisse
  • Die Sidebar ist plötzlich so leer, jetzt wo die Werbung weg ist
  • Google zeigt stattdessen Inhalte von fremden Webseiten

Google holt Informationen von Webseiten, die nicht zum hauseigenen Netzwerk gehören, strukturiert sie und verkauft sie als eigene Inhalte. Auch wenn ich es jetzt nicht beweisen kann, so bin ich mir doch sehr sicher, dass kein im Screenshot gezeigter Link (Wikipedia ausgenommen) auf eine Nicht-Google-Seite führt.

Google scheint auch kein Problem damit zu haben, gestandene Suchfunktionen abzuschalten, wenn sie der neuen Strategie im Weg stehen. Ein gutes Beispiel dafür ist der +-Operator, den Google vor wenigen Wochen zunächst abgeschaltet hat, nur um ihn dann als Plus-Feature wieder aufleben zu lassen. Den neuen Unternehmensseiten in Googles sozialem Netzwerk sei Dank wird der +-Operator künftig dafür genutzt, um User direkt zu + weiterzuleiten. Das Feature ist jetzt schon halbwegs in die Autocomplete-Funktion integriert.

Der Interessenskonflikt ist zu groß geworden, als dass man ihn einfach ignorieren könnte. — Unter klassischen Gewinnspielen in Zeitschriften steht immer der Hinweis, dass Mitarbeiter des Verlags von der Teilnahme ausgeschlossen sind. Musiker dürfen ihre eigenen Songs nicht kaufen, weil dass die Charts verfälschen würde. Und beim Fußball spielen Schiedsrichter auch nicht einfach mit. Warum gilt das nicht für Google?

Wer wissen will wie das Wetter ist, hat im Wesentlichen zwei Möglichkeiten:

a) Aus dem Fenster schauen
b) Bei Google nach “wetter” suchen

Letzteres ist mit Googles Instant-Echtzeitsuche noch einfacher geworden. Es reicht, den Buchstaben “w” einzutippen, dann weiß Google schon Bescheid.

Google stellt Wetterinformationen schon seit mehreren Jahren über den eigentlichen Suchergebnissen in einer Onebox dar. Die Suchergebnisse sind für 99% aller Wetter-Suchenden belanglos. Man hat die Information bekommen und braucht nicht mal ein Ergebnis anzuklicken. Google liefert.

Neben den vergleichweise harmlosen Wetter- und Währungs-Oneboxen hat Google in den letzten Wochen damit begonnen, bei weiteren Suchbegriffen wesentlich mehr Informationen direkt in den Suchergebnisseiten aufzulisten. Wenn Google über den ungefähren Standort des Nutzers Bescheid weiß, werden bei Suchen nach “kino” oder “filme” gleich das aktuelle Programm der lokalen Kinos angezeigt — wohlgemerkt über den Suchergebnissen. Die automatischen Oneboxen werden “außer Konkurrenz” eingeblendet und sind nicht — wie jede andere Webseite — vom Google-Ranking abhängig.

Auch die beste, schnellste, informativste, meistverlinkteste Kino-Webseite wird unterhalb der Google-Onebox angezeigt. Seitenbetreiber haben keine Möglichkeit, sie zu überholen. Google liefert.

Woher weiß Google eigentlich mit beeindruckender Sicherheit, welcher Film wann, wo und mit welcher Altersbeschränkung läuft? Woher stammen diese Information? Die Antwort: Google holt sich alle nötigen Informationen von den Kino-Webseiten selbst. Seitenbetreiber werden angehalten, sich möglichst an Microformat-Standards zu halten, damit die Google-Roboter mühelos Inhalte auslesen können. Natürlich wird niemand gezwungen das zu machen, aber Kinoseiten-Betreiber haben heute die Wahl zwischen freiwilliger Herausgabe der Daten an Google, oder in der Versenkung der nicht mehr relevanten Suchergebnisse zu verschwinden.

Wer in der Onebox auf den Namen eines Films klickt, wird nicht zur Seite des Kinos geleitet, sondern zu einer Detailansicht bei Google. Selbst dort führt kein einziger Link zu einer Nicht-Google-Seite. Google verzichtet sogar auf eine Quellenangabe. Es wirkt so, als hätte Google alle Infos selbst erstellt. Man könnte sagen: Fremde Inhalte werden als eigene Inhalte präsentiert, und das nicht nur beim Wetter und bei Kinofilmen.

In den USA hat Google bereits einen eigenen Finanz- und Kreditkartenvergleich gestartet, der jede Affiliate-Seite in den Schatten stellt. Auch hier wird das Google-Angebot außer Konkurrenz über den Suchergebnissen dargestellt, die ja die eigentliche Quelle für Googles hauseigene Vergleichsseite sind. Wenn Google liefert, gelten eigene Regeln.

Sollten Google-Dienste in Zukunft mehr und mehr unabhängig vom eigentlichen Suchmaschinenranking unübersehbar ganz oben auf der Seite dargestellt werden, wird Google vom Kellner zum Koch. Es wird zwar immer noch an den Tisch gebracht, was andere gekocht haben, aber es wird einfach verschwiegen, dass es nicht Google war, der die Sachen gekocht hat.

Wie jede andere Suchmaschine ist auch Google auf Daten von externen Quellen angewiesen. Ohne geht es nicht. Wenn alle Kinoseiten eingestellt werden, weil es sich nicht mehr lohnt und kaum noch Besucher kommen, könnte Google auch keine Kino-Onebox mehr anbieten.

Google weist zwar gerne und oft auf die Unabhängigkeit und Nichtkäuflichkeit von Suchergebnissen hin, aber das scheint nicht (mehr) für Google selbst zu gelten.

→ Google liefert, Teil 2

Warum ist Google Plus als geschlossenes System angelegt und nicht als Meta-Netzwerk, in dem sämtliche Web-Aktivitäten gebündelt werden? Google Plus ist in seiner jetzigen Form nicht mehr als ein weiteres Netzwerk, bei dem man halt mitmachen kann oder eben nicht. Yet another Social Network… ohne unique selling point.

Man stelle sich vor, die Bildersuche von Google würde nur Dateien aufnehmen, die sich bereits auf dem Server des Unternehmens befinden. Es entstünde die nutzloseste Suche der Welt. Willkommen bei Google Plus!

Kein anderer Google-Dienst neben Plus kommt ohne externe Quellen aus. Sei es die angesprochene Bildersuche, die Blogsuche, Google News, alle sind von Inhalten abhängig, die erstmal nichts mit Google zu tun haben. Mit + wird Google vom Kellner zum Koch, doch die richtigen Zutaten fehlen bisher.

Ohne Frage kommt Google Plus ein paar Jahre zu spät. Wer netzwerken will, kann das seit Jahren bei Facebook, Twitter, Xing, Flickr oder von mir aus auch im StudVZ machen. Ob die Massen von Facebook zu + abwandern werden ist zu bezweifeln. Welchen Grund hätten sie auch dazu? Dass Google Plus vor allem nicht Facebook ist, rechtfertigt nicht den Aufwand, sich die gleichen Kontakte woanders nochmal aufzubauen. Personenbezogenes Teilen in Circles ist nett, aber kein Grund umzuziehen.

Idealerweise sollte Google Plus das network to end all networks werden. Mit Twitter- und Facebook-Integration, mit Aus-5-mach-1-Nützlichkeit, mit tatsächlicher Zeitersparnis. Das Schweizer Taschenmesser der sozialen Netzwerke.

Es ist ja nicht so, dass Google die Daten aus den anderen Netzwerken nicht schon längst im Index hätte. Auch wenn die Echtzeitsuche momentan abgeschaltet ist, weil Twitter mehr Geld für den Vollzugriff haben will, kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten, von Google ignoriert zu werden. Sollte Google diesbezüglich ernst machen, wird auch Mark Zuckerberg kalte Füße bekommen. Lieber den Spatz in der Hand etc.

Ich bin von Google Plus enttäuscht. Ich bin mir sicher, dass es anderen Nutzern auch so geht.



© 2006-2014 1000ff  •  Kontakt  •  Impressum  •  RSS-Feed  •  Theme by Just Skins  •  Powered by Wordpress  •  Ein Projekt von Simon Stich