Den folgenden TED-Talk kennt ihr bestimmt schon. Eli Pariser erklärt die „Filter Bubble“, die dafür sorgt, dass wir im Internet immer weniger mit Informationen konfrontiert werden, die unserem Weltbild nicht entsprechen. Suchmaschinen und soziale Netzwerke tun ihr Möglichstes, uns Inhalte zu präsentieren, die wir lesen wollen, und nicht solche, die wir lesen sollten.

Dieses Problem ist nicht grundlegend neu. Wenn wir eine Zeitung kaufen, selektieren wir schließlich auch da automatisch, welche Artikel wir lesen wollen. Die Zeitung selbst ist dabei natürlich auch schon ein Filter: taz vs. BILD, 11FREUNDE vs. kicker usw.

Eli Pariser beschränkt sich — wie zu erwarten war — auf das englischsprachige Web. Wenn wir die ganze Sache international betrachten, kommt eine neue Dimension der Filterblase hinzu: Aus dem einstigen World Wide Web ist längst ein zerstückeltes World Local Web geworden, das Inhalte je nach Standort entweder zulässt oder blockiert.

Beispiele sind schnell gefunden: Gefühlt jedes zweite YouTube-Video ist in Deutschland wegen GEMA-Streitigkeiten gesperrt. Hulu funktioniert nur in den USA. Die BBC bedient (oft) nur Nutzer aus Großbritannien.
Der peinliche Grund für diesen Blödsinn liegt aber keinesfalls im Web-Nationalismus (lol), sondern schlicht an den Werbekunden, die ihre Produkte lieber Joe Average aus den USA andrehen wollen statt einem armen Europäer / Asiaten / Afrikaner, der sich das beworbene Auto eh nicht kaufen wird.

Wie konnte das alles geschehen? War das Internet nicht ursprünglich als weltweites Netz gedacht, an dem jeder gleichermaßen teilnehmen konnte, unabhängig von Standort, Nationalität, Einkommen? Gleiche Inhalte für alle? Content-Sozialismus?

Besonders deutlich wird diese Form der „Lokalisierung“ nicht bei den Content-Anbietern selbst, sondern bei den Suchmaschinen, die mehr und mehr verhindern, dass wir mal aus unserer comfort zone heraus kommen. So gut wie jedes neue Produkt von Google wird „personalisiert“ angeboten, also je nach Nutzerverhalten verschieden. Google entscheidet, was wir sehen wollen, basierend auf dem, was wir früher sehen wollten.

Es ist heute kaum noch möglich, Google-Dienste dauerhaft dazu zu überreden, andere Inhalte als die für Deutschland vorgesehenen anzuzeigen. In der Web-Suche gibt es z.B. die Optionen „Das Web“ und „Seiten auf Deutsch“, aber eben nicht den umgekehrten Fall „Seiten NICHT auf Deutsch“.

Ebenso gehört es heute zum guten Ton, Webseitenbesucher automatisch und zwangsweise zur lokalisierten / übersetzten Version einer Seite zu schicken. Ob das geschieht oder nicht, hängt vom geschätzten Standort des Nutzers ab. Das kommt im Dänemark-Urlaub natürlich blöd, weil man plötzlich nichts mehr versteht und auch nicht mehr den Link findet, der auf die Originalseite führt.

Wie bewegen uns auf ein Netz zu, in dem man nicht mehr sicher sein kann, dass jemand anderes die gleichen Inhalte sieht wie wir selbst, und das hat nicht immer was mit Personalisierung, sondern oft mit erzwungener Lokalisierung zu tun.

Aus Anbietersicht ist diese Vorgehensweise verständlich; auch viele Nutzer haben damit überhaupt kein Problem, im Gegenteil, sie wollen alles lokalisiert und möglichst in der eigenen Sprache haben. Nur mit dem World Wide Web hat das leider nichts mehr zu tun.



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