Piratenpartei-logo in Jens Seipenbusch, 40, Diplom-Physiker, wohnhaft in Münster, ist Gründungsmitglied und stellvertretender Vorsitzender der Piratenpartei Deutschland. Obwohl stets schwer beschäftigt, konnten wir ein kleines Interview mit ihm arrangieren.

Du bist Gründungsmitglied der Piratenpartei Deutschland. Was war der ausschlaggebende Grund dich bei den Piraten und nicht bei einer anderen Partei zu engagieren?

Es hätte dem Kernpunkt der Piratenbewegung nicht entsprochen, sich nur in einer anderen Partei einzubringen, nämlich, dass wir nicht darauf warten können, bis es auch der letzte Internetausdrucker merkt, dass wir uns einen Überwachungsstaat basteln. Außerdem werden die existierenden Parteien von teils lobbygetränkten, abgezockten Berufspolitikern beherrscht, was meiner Meinung nach ein wesentlicher Grund für die große Politikverdrossenheit bei uns ist.

Bei der Europawahl habt ihr auf Anhieb beachtliche 229.146 Stimmen erhalten. Was antwortest du Kritikern, die behaupten, dass darunter viele “Juxwähler” seien, die sich nur des interessanten Namens wegen und nicht aus politischen Gründen für die Piraten entschieden haben?

Unser Name ist Programm. Wir sind nicht die braven Beschwichtiger mit dem Wort zum Sonntag, wir wollen wirklich etwas ändern. Warum darf Politik eigentlich nicht nebenher auch Spaß machen?

Im offiziellen Piratenforum gibt es derzeit viele Fragen wie “Wie steht die Piratenpartei zum Thema X?”. Darauf folgt nicht selten die Antwort “Die Piratenpartei hat dazu keine Meinung”. Gibt es Bestrebungen das Parteiprogramm auszuweiten; auch auf die Gefahr hin, dass sich der ein oder andere Pirat dann wieder von der Partei abwendet?

Dies ist eine sehr existentielle Frage für die Piratenpartei. Unter unseren Mitgliedern wird diese Frage immer wieder kontrovers diskutiert. Das hat mehrere Gründe: Zum einen machen bei uns viele Leute mit, die vorher noch nie Politik gemacht haben oder einer Partei angehörten, für die ist es in ihrem Schwung zum Teil unverständlich, dass wir uns mit der Formulierung weiterer Position absichtlich zurückhalten, um für eine größere Zahl von Menschen wählbar zu bleiben.
Zum zweiten gibt es bei einigen grundsätzliche Zweifel daran, dass man als Partei, die sich nicht zu Wirtschaft und sozialen Verteilungsdingen äußert, jemals in die Parlamente einziehen können wird.
Ich persönlich glaube fest an die bisher mehrheitsfähige Position, dass unser aktueller Kampf gegen den heraufziehenden Überwachungsstaat so dringend und wichtig ist, dass wir es uns nicht leisten können, Leute zu verlieren, die sonst gemeinsam mit uns für diese Sache kämpfen würden.
Es gibt in jedem Teil des politischen Spektrums heute Menschen, die den Überwachungsstaat nicht wollen. Nur wenn wir die alle zusammenbringen, werden wir diesen schwierigen Kampf gewinnen können – das sollte sich jeder vor Augen halten.
Dies auch um den Preis, dass man die Frage nach dem Verteilungsprogramm (Wirtschaft und Soziales) mit: ‘haben wir nicht’ beantworten muss. Immerhin befürworten wir ja die soziale Marktwirtschaft, das ist doch auch schon mal was.

Piratenpartei-hafenfest in
Piratenparteimitglieder beim Hafenfest in Münster (CC)

Was ist euer %-Ziel für die anstehende Bundestagswahl — und wie wollt ihr dieses Ziel erreichen?

Unser Ziel für die Bundestagswahl muss das Überschreiten der 5%-Hürde sein. Dies ist gesellschaftlich durchaus möglich, wie der Erfolg in Schweden zeigt. Allerdings ist es natürlich ein sehr hoch gestecktes Ziel, das eine Unterstützung von sehr vielen Seiten benötigt. Aktuell ist unsere Hauptherausforderung, den Ansturm von Leuten zu bewältigen, die bei uns mitmachen wollen. Wenn wir diese Begeisterung und Unterstützung bis zur Bundestagswahl weiter Multiplizieren können und dies auch in Bekanntheit und Verständnis für unsere Ziele und die dringende Notwendigkeit eines Umsteuerns umsetzen können, dann wird es sehr spannend werden im September.

Durch das gute Abschneiden bei der Europawahl hat die Piratenpartei ein Anrecht auf die sog. Wahlkampfkostenerstattung erworben. Gibt es schon Pläne, wie mit diesem Geldsegen umgegangen werden soll?

Wir rechnen nach ersten Schätzungen mit Unterstützung im fünfstelligen Bereich, allerdings wird dieses Geld ja wohl erst nächstes Jahr ausbezahlt. Dazu muss man sagen, dass wir bisher fast alles aus den oft schmalen Geldbeuteln der Mitglieder finanziert haben. Nun haben wir zum ersten Mal die Möglichkeit nicht nur Werbung sondern auch Fahrtkosten und andere Dinge zu finanzieren. Wir wollen schon seit längerem in Berlin ein Büro aufmachen, um auch mal einen echten Geschäftsstellenraum zu haben und womöglich können wir auch personelle Hilfe bei der Verwaltung einstellen.
Ich möchte hier gerne mal jedem unserer Wähler für die bis zu 85 Cent danken, die uns seine Stimme in dieser Hinsicht einbringt! Man muss dieser Art der Parteienfinanzierung generell durchaus kritisch gegenüberstehen, aber in diesem Superwahljahr ist das für unsere Partei natürlich ein hocherfreulicher Segen.

Der Frauenanteil in der Piratenpatei ist vergleichsweise gering. Woran liegt das? Gibt es Bestrebungen, gezielt auch Frauen für die Piratenpartei zu begeistern?

Das liegt m.E. hauptsächlich daran, dass unsere Mitglieder oft aus dem technischen bzw. informationstechnischen Bereich kommen. Dort ist die Frauenquote auch heutzutage noch nicht so hoch wie anderswo.
Wir freuen uns natürlich speziell über neue weibliche Mitglieder, aber wir definieren uns nicht über Quoten. Die wahre Herausforderung für uns ist eher, diejenigen anzusprechen, die mit den Techniken des Informationszeitalters noch überhaupt nichts oder wenig zu tun hatten.

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1000ff bedankt sich für das Interview.
Jens hat sich netterweise dazu bereit erklärt, Nachfragen unserer Leser hier in den Kommentaren zu beantworten. Jetzt seid ihr dran!

Frank Westphal, der Mann hinter Rivva, im Interview mit 1000ff! Er beantwortet Fragen zur Funktionsweise von Rivva, erläutert dessen Filterungs- und Selektionsprinzip und beklagt sich über Blogger, die ihre Artikel nicht mit Quellenangaben versehen. Weitere Themen: Karmaabstrafungen, dumme Maschinen, Informationsbeschleunigung — und warum Twitter die neue Eisenbahn ist.

Wie würdest du Leuten, für die das Internet im Wesentlichen aus eBay, Amazon und Google besteht, das Prinzip von Rivva erklären?

Rivva-logo in Konzeptionell ist Rivva an eine Zeitung angelehnt, nur werden die Schlagzeilen nicht von einer bestimmten Redaktion ausgewählt, sondern Rivvas Titelseite wird von tausenden, selbsternannten Redakteuren geschrieben (und ständig fortgeschrieben), indem sie auf ihren Webseiten einfach aktuell interessante Themen diskutieren.
Im Unterschied zu einer klassischen Zeitung fokussiert sich Rivva allerdings mehr darauf, wie sich eine Story über die Zeit entwickelt (als auf die eher regungslosen Titelgeschichten selbst), oder wer sich alles auf einen bestimmten Artikel bezieht (anstatt auf die Urquelle allein). Die Seite ist ständig im Fluss, daher auch der Name.

Ist die Sortierung und Filterung von Rivva vollständig automatisiert oder musst du manchmal “per Hand” nachbessern?

Rivva agiert 100% autonom. Ich versuche, die dumme Maschine genau so zu programmieren, dass sie automatisch das erledigt, was auch ein Mensch machen würde, der nix besseres zu tun hätte, als rund um die Uhr tausende von Blog- und Nachrichtenfeeds nach den interessantesten Geschichten zu durchforsten.
Nachzubessern gibts praktisch tagtäglich etwas: immer wenn Rivva sich nicht wie erwartet verhält, muss ich der blöden Maschine eine weitere Regel (oder Ausnahme) einbläuen. Bin ein großer Anhänger der japanischen Kaizen-Philosophie – schrittweiser, nie endender Verbesserung –, so dass ich wohl 90% meiner Zeit mit dem Kopf unterhalb der Motorhaube hänge, was Rivva zwar von Tag zu Tag intelligenter macht und manchmal sogar die Qualität verbessert, ansonsten aber unsichtbar bleibt.

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Sam-and-max-dino in

Auf Internetverhältnisse umgerechnet sind acht Jahre mindestens eine halbe Ewigkeit. So lange schon bieten Daniel (21) und Thomas (25), Gründer und Namensgeber, auf der Webseite tentakelvilla.de alles an, was man über klassische Point-and-Click-Adventures aus dem Hause LucasArts wissen muss. Im Interview mit 1000ff reden die beiden über gute Adventures der letzten Jahre, mangelnde Update-Motivation, unterschiedliche Spiele- und Spielertypen und beantworten die Frage, ob die Aufmerksamkeitsspanne der heutigen Jugend (©) noch groß genug für Monkey Island und Day of the Tentacle ist.

Die Tentakelvilla steht seit dem Jahr 2000. Was war für euch damals der Grund mit der Webseite anzufangen? Hattet ihr ein bestimmtes Ziel vor Augen?

DANIEL: Damals gab es im Netz einer Reihe kunterbunter und ausführlicher Seiten zu den Monkey-Island-Spielen. Ich selbst war 13, meine genauen Beweggründe weiß ich gar nicht mehr. Wahrscheinlich fand ich es ungerecht, dass die übrigen LucasArts-Spiele im Vergleich etwas kurz kamen. Dass sich aus meinen kläglichen Ansätzen innerhalb kurzer Zeit ein einigermaßen systematischer Überblick entwickeln würde, hatte ich jedenfalls nicht erwartet und ist auch nur der Mitarbeit zahlreicher Freunde, Besucher und natürlich Mitwebmaster zu verdanken.

THOMAS: Aus diesem Zuspruch lässt sich auch schließen, dass ein gewisser Bedarf war, diesen Inhalt ins Netz zu stellen. Ziel war keins vorhanden, wir haben ja jetzt noch keins und setzen Orientierungspunkte wie die nächste Million auf dem Counter oder irgendwelche runden Eintragszahlen im Gästebuch. Auch wenn es unvorstellbar klingt: nie die Weltherrschaft.

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Seit 2002 bietet Johannes Beus über seine Webseite SISTRIX Suchmaschinenoptimierung an. Wie vielen Seiten er im Laufe der Zeit bei Google und Co. zu einem besseren Ranking verholfen hat — er weiß es selbst nicht mehr. Im Interview mit 1000ff erklärt er den Unterschied zwischen guter und schlechter Optimierung, beklagt das amateurhafte Vorgehen der Möchtegern-SEOs und distanziert sich von allerlei illegaler Praktiken.

SEOs haben in der Internet-Öffentlichkeit einen schlechten Ruf; stehen für viele auf einer Stufe mit V!agra-E-Mail-Spammern. Wie unterscheidet sich das Vorgehen von SISTRIX von dem der Hobby-SEOs?

Sistrix-logo in Ich beschäftige mich nun schon eine längere Zeit mit Suchmaschinen und der Optimierung von Webseiten für diese. Ich glaube, dass diese Erfahrung und die über die Jahre gereifte Erkenntnis von zugrundeliegenden Zusammenhängen wesentlich dazu beiträgt, „bessere“ Entscheidungen zu treffen, als dies viele, die diesen Job erst einen kurzen Zeitraum ausüben, können. Leider wird das Berufsbild aber zunehmend von denen geprägt, die am lautesten schreien und ihre zweifelhaften Techniken als SEO verkaufen. Suchmaschinenoptimierung ist kein Hexenwerk – es geht um saubere, solide Arbeit und etwas Erfahrung. Im Idealfall fällt SEO gar nicht als solches auf, sondern tritt hinter die Seite zurück.

Was ist mit Unternehmen, die sich keine SE-Optimierungen leisten können oder wollen, keine Ahnung vom Thema haben oder schlicht den Einfluss von SEO unterschätzen? Sehen Sie die Gefahr einer “Zweiklassen-Gesellschaft” im Web?

Das schöne an Suchmaschinen ist, dass dort erstmal Chancengleichheit herrscht. Google guckt sich eine große Zahl von Kriterien an und sortiert danach seine Trefferlisten. Dabei hat der kleine Onlineshop aus der Garage prinzipiell die gleichen Möglichkeiten, wie ein Shopping-Gigant wie Amazon. Betreiber von Seiten, die sich keine professionelle SEO-Betreuung leisten können, haben immerdie Möglichkeit, das SEO für ihre Projekte selber durchzuführen. Das kostet zwar (sehr) viel Zeit, ist aber nur mit minimalen Kosten verbunden. Weiterlesen »

Kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich spreche heute Abend mit Marcus Richter, dem Moderator der Sendung TRACKBACK bei Radio Fritz, über die ultimativen Blogcharts. Ob sie wirklich so ultimativ sind und ob wir überhaupt noch ein weiteres Blogranking brauchen erfahrt ihr von 18 bis 20 Uhr, oder besser gesagt: um kurz nach sieben, wenn ich telefonisch Rede und Antwort stehe.

Wer keine Zeit für den Livestream hat kann das Interview auch später als Podcast hören.

Und ja, ich bin aufgeregt.

Update: Puh. Geschafft. Die erste (einfachste!) Frage, wer denn hinter 1000ff steckt, hat mich direkt aus dem Konzept gebracht. Der Rest ging. Bin ja Amateur.

2. Update: Hier gibt’s die ganze Sendung.

04 Batz in Der Batz heißt eigentlich Oliver, ist nach eigener Aussage “um die 30″, wohnt in Berlin-Schöneberg und bloggt seit Mai 2004 sein Batzlog voll. Verirrten sich im ersten Jahr höchstens 50 Besucher pro Tag in sein Weblog, so sind es heute durchschnittlich 1000. Im exklusiven Interview mit 1000ff erzählt er von seinem früheren Job beim Pro7-Mittagsmagazin, seiner Kollaboration mit den Fünf Fimfreunden und erfindet nebenbei das Wort “Hetenblogs”. Weiterlesen »





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