Wer wissen will wie das Wetter ist, hat im Wesentlichen zwei Möglichkeiten:

a) Aus dem Fenster schauen
b) Bei Google nach „wetter“ suchen

Letzteres ist mit Googles Instant-Echtzeitsuche noch einfacher geworden. Es reicht, den Buchstaben „w“ einzutippen, dann weiß Google schon Bescheid.

Google stellt Wetterinformationen schon seit mehreren Jahren über den eigentlichen Suchergebnissen in einer Onebox dar. Die Suchergebnisse sind für 99% aller Wetter-Suchenden belanglos. Man hat die Information bekommen und braucht nicht mal ein Ergebnis anzuklicken. Google liefert.

Neben den vergleichweise harmlosen Wetter- und Währungs-Oneboxen hat Google in den letzten Wochen damit begonnen, bei weiteren Suchbegriffen wesentlich mehr Informationen direkt in den Suchergebnisseiten aufzulisten. Wenn Google über den ungefähren Standort des Nutzers Bescheid weiß, werden bei Suchen nach „kino“ oder „filme“ gleich das aktuelle Programm der lokalen Kinos angezeigt — wohlgemerkt über den Suchergebnissen. Die automatischen Oneboxen werden „außer Konkurrenz“ eingeblendet und sind nicht — wie jede andere Webseite — vom Google-Ranking abhängig.

Auch die beste, schnellste, informativste, meistverlinkteste Kino-Webseite wird unterhalb der Google-Onebox angezeigt. Seitenbetreiber haben keine Möglichkeit, sie zu überholen. Google liefert.

Woher weiß Google eigentlich mit beeindruckender Sicherheit, welcher Film wann, wo und mit welcher Altersbeschränkung läuft? Woher stammen diese Information? Die Antwort: Google holt sich alle nötigen Informationen von den Kino-Webseiten selbst. Seitenbetreiber werden angehalten, sich möglichst an Microformat-Standards zu halten, damit die Google-Roboter mühelos Inhalte auslesen können. Natürlich wird niemand gezwungen das zu machen, aber Kinoseiten-Betreiber haben heute die Wahl zwischen freiwilliger Herausgabe der Daten an Google, oder in der Versenkung der nicht mehr relevanten Suchergebnisse zu verschwinden.

Wer in der Onebox auf den Namen eines Films klickt, wird nicht zur Seite des Kinos geleitet, sondern zu einer Detailansicht bei Google. Selbst dort führt kein einziger Link zu einer Nicht-Google-Seite. Google verzichtet sogar auf eine Quellenangabe. Es wirkt so, als hätte Google alle Infos selbst erstellt. Man könnte sagen: Fremde Inhalte werden als eigene Inhalte präsentiert, und das nicht nur beim Wetter und bei Kinofilmen.

In den USA hat Google bereits einen eigenen Finanz- und Kreditkartenvergleich gestartet, der jede Affiliate-Seite in den Schatten stellt. Auch hier wird das Google-Angebot außer Konkurrenz über den Suchergebnissen dargestellt, die ja die eigentliche Quelle für Googles hauseigene Vergleichsseite sind. Wenn Google liefert, gelten eigene Regeln.

Sollten Google-Dienste in Zukunft mehr und mehr unabhängig vom eigentlichen Suchmaschinenranking unübersehbar ganz oben auf der Seite dargestellt werden, wird Google vom Kellner zum Koch. Es wird zwar immer noch an den Tisch gebracht, was andere gekocht haben, aber es wird einfach verschwiegen, dass es nicht Google war, der die Sachen gekocht hat.

Wie jede andere Suchmaschine ist auch Google auf Daten von externen Quellen angewiesen. Ohne geht es nicht. Wenn alle Kinoseiten eingestellt werden, weil es sich nicht mehr lohnt und kaum noch Besucher kommen, könnte Google auch keine Kino-Onebox mehr anbieten.

Google weist zwar gerne und oft auf die Unabhängigkeit und Nichtkäuflichkeit von Suchergebnissen hin, aber das scheint nicht (mehr) für Google selbst zu gelten.

→ Google liefert, Teil 2

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3 Kommentare zu “Google liefert”

  • Simon

    Nachtrag / Disclaimer: Ich weiß, dass das insgesamt gesehen keine neue Entwicklung ist, aber das Tempo und der Umfang der Dateneinverleibung hat in den letzten Monaten / Wochen deutlich zugenommen.

    Ich will auch nicht irgendwelche Affiliate-Seiten verteidigen, die wegen Google-Diensten jetzt weniger Umsatz machen. Ich finde es nur nicht in Ordnung, wenn Google so tut, als hätten sie selbst einen ganz tollen Dienst gebastelt, wenn der in Wirklichkeit aus zusammengeschusterten Daten andere Webseiten besteht und diese nicht mal genannt werden.

  • Florian

    Hallo Simon.

    Prinzipiell sehe ich das so ähnlich wie du, teilweise würde ich Affiliates aber schon in Schutz nehmen. Speziell die Suchmöglichkeit nach Flügen dürfte vielen Affiliates das Wasser abgraben.

  • Harald

    Was Google so alles liefert ist ja eigentlich sehr bequem, nur glaube ich nicht das sie rechtlich so auf der ganz sauberen Seite sind.
    Bleibt abzuwarten wann der erste Pionier den Stein wirft – dann wird es richtig interessant.

    BG Harald


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