Einführung

Zum Tollsten, was das Web so gerade zu bieten hat, gehört Google Maps. Sind wir doch mal ehrlich: Wem von uns bereitet es denn keine diebische Freude, die hoch aufgelösten Satellitenkarten von Gegenden zu betrachten, in denen man mal gewohnt hat. Oder in denen man mal im Urlaub war. Oder an denen man überhaupt noch nie war, die man aber gerne mal sehen würde (Eiffelturm, Chinesische Mauer, Tierpark Hagenbeck).

Google Maps-Screenshot
Cool: Turkmenistan bei Google Maps

Zum Tollsten, was das Web so gerade zu bieten hat, gehört aber auch flickr. Jemandem, der dort noch nicht war, zu erklären warum ein simpler Bilderdienst eine solche Superkeit besitzt, wäre ein ein diffiziles Unterfangen. Neben den technischen Vorzügen, wie z.B die Verschlagwortung von hochgeladenen Bildern über Tags, der Darstellbarkeit in verschiedenen Größen, die zwei Klicks zur Externalisierung der Fotos (z.B. um sie ins Blog einzubinden), ist es das Aussehen und die grandiose Bedienbarkeit und natürlich auch die Befriedigung voyeuristischer Neigungen beim Durchblättern der Fotogalerien anderer Leute, welche eine schleichende flickr-Abhängigkeit zur persönlichen Konsequenz haben können.

Flickr Organize Screenshot
Auch Cool: Stapelverarbeitung von Fotos bei Flickr

Sowohl für Google Maps als auch für Flickr gibt es diverse Mashups, also Anwendungen und Webseiten, die auf die Daten der Services über eine API (offene Programmierschnittstelle) zugreifen können. Beispiele: Das viel zu selten genutzte „Artikel auf der Karte“ bei der Netzeitung Readers Edition benutzt als Kartenbasis Google Maps. Spell with flickr benutzt Fotos von Buchstaben, die Menschen bei flickr hochgeladen haben und stellt eingegebene Sätze mit genau diesen dar. Solche Mashups sind erwünscht, steigern sie doch die Popularität beider Services. Was liegt also näher, als Google Maps und flickr zu kombinieren? Das könnte so aussehen, einerseits flickr-Fotos genau auf einer hoch auflösenden Karte verorten zu können und andererseits eine Weltkarte zu haben, auf der Fotos zu finden sind, die man selber und/oder jemand anders geschossen hat. Hier kommt der Begriff GeoTagging ins Spiel.

Technisch bedeutet GeoTagging nichts anderes als Fotos mit Längen- und Breitengraden zu versehen. Dies geschieht über die flickr-Tags (Schlagworte) in einem bestimmten Format. Die drei Tags

geotagged geo:lon=13.127787 geo:lat=52.393684

beschreiben z.B. einen Ort des Grauens und der Verderbnis: Die Mensa Griebnitzsee der Uni Potsdam.

Zweierlei kann der angehende GeoTagging-Fan also zu tun:

  1. Er will wissen, welche Fotos schon einer bestimmten Gegend (z.B seinem Wohnort) zugeordnet sind, idealerweise auf einer übersichtlichen Karte, und
  2. er will für seine eigenen flickr-Fotos die korrekten Längen- und Breitengrade ermitteln und diese den Fotos möglichst komfortabel zuordnen.

Drei Tools

Dazu will 1000ff.de euch jetzt zwei Webseiten und ein kleines, sehr praktisches Helferlein vorstellen.

Screenshot loc.alize.us
loc.alize.us: Berlin, schon ganz gut erschlossen

loc.alize.us ist ein recht neuer Service. Die „gepunktete“ URL und die abgerundeten Ecken im Design lassen darauf schließen, dass der Macher der Seite, flickr-User aemkei aus Weimar, seine Web 2.0-Hausaufgaben gemacht hat. Auf einer Vollbild-Karte im Browser lassen sich die aufgefundenen Fotos anhand eines hübschen blauen Markers erkennen. Fährt man mit der Maus über den Marker, sieht man ein quadratisches Vorschau-Thumbnail. Ein Klick öffnet das Foto in größer, zusammen mit diversen Optionen (Schließen, Karte zoomen, Fotoinfos, flickr-Fotoseite). loc.alize.us bietet selber nur einen rudimentären Service zum Taggen von Fotos, nämlich das Copy&Paste eines angeklickten Punktes „per Hand“. Stattdessen wird das weiter unten vorgestellte localize-Bookmarklet zum Taggen empfohlen.

Resumée
Positiv: tolles Design, Aufnehmen der Koordinaten eines bestimmten Punktes möglich (für’s Taggen „per Hand“), gute Ortsuche und automatischer Zoom zum gefundenen Ort
Negativ: Seite ist noch recht langsam (Scrolling, Zoomen), eigene Fotos müssen einzeln mit dem localize-Bookmarklet (siehe unten) zur Datenbank hinzugefügt werden, Leiste verdeckt ein Drittel des Bildschirms (bei 1024er Auflösung), Probleme mit Sonderzeichen


Yuan.CC Maps: Erst verwirrend, dann mächtig

Yuan.CC Maps ist nicht ganz so komfortabel zu bedienen und nicht unbedingt ansehnlich. So prangt einem statt eines Web2.0-igen Logos eins simpler Schriftzug in der absolut verbotenen Schriftart Comic Sans MS entgegen. Aber egal, unter der Haube geht hier einiges. Cool: Mit zwei Klicks sind alle deine Fotos in Yuans interner Datenbank (OMG, dieser Satz könnte von Petra Schmitz stammen).

Resumée
Positiv: Tagging und Foto-Kartensuche in einem, wird von flickr aus auf http://maps.yuan.cc/ verlinkt (z.B. per Kommentar oder Bildbeschreibung)findet die Seite das Foto anhand des Seitenreferrers, schnelle Synchronisierung, läuft insgesamt flott
Negativ: Hakelige Bedienung (Durchblättern der Fotos), schlechte Orte-Suche, Automatisches Zentrieren des mit der Maus überfahrenen Fotomarkers im „Browse“-Modus nervt, Eingrenzung der Suche mit einzelnen Tags funktioniert nicht richtig (Formularfelder ändern sich willkürlich)


Das localize Bookmarklet: Buchstabier mal genial

Das localize Bookmarklet wird vom gleichen Menschen entwickelt wie loc.alize.us (siehe oben). Zur Installation zieht man sich einen Link in die Favoriten-/Lesezeichenleiste des Browsers. Zukünftig muss man nun auf den Button des Bookmarklets klicken, wenn man sich auf der Seite eines einzelnen flickr-Fotos befindet und – wie von Geisterhand – öffnet sich ein kleines Kartenfenster, auf dem man das Foto verorten kann, falls es schon GeoTags besitzt, oder mit neuen GeoTags versehen.

Resumée
Positiv: Ein unschätzbares Tool. Es funktioniert einfach.
Negativ: Nur Kleinigkeiten. Entgegen den Angaben des Programmierers funktioniert das Taggen von fremden Fotos nicht trotz „Add Tags“-Befugnis (zumindest bei mir im FF 1.5). Anstatt auf loc.alize.us verlinkt das Bookmarklet im Beschreibungstext (wird bei jedem Taggen hinzugefügt) auf das „echte“ Google Maps – dort sieht man nur einen langweiligen Marker.

Selber machen

Nun aber ran an die Buletten. Folgendes Vorgehen empfehlen wir Dir, um mit GeoTagging familiär zu werden.

  1. Geh auf loc.alize.us und/oder Yuan.CC Maps (Klick auf „Browse“) und check deine Wohngegend auf Anzahl und Dichte bereits vorhandener Fotos.
  2. Schnapp Dir die Digicam, geh auf die Straße, schieße Fotos. Lade die Besten davon zu flickr hoch.
  3. GeoTagge sie mit dem flugs installierten localize-Bookmarklet.
  4. Ändere den Text, den das Bookmarklet hinterlässt. Vorschlag:

    See where this photo was taken at <a href=“http://maps.yuan.cc/“ target=“_blank“>Yuan.CC Maps</a>.
    Nachschauen, wo dieses Foto geschossen wurde bei <a href=“http://maps.yuan.cc/“ target=“_blank“>Yuan.CC Maps</a>.
    <a href=“http://www.flickr.com/groups/geotagging/discuss/72157594165549916/“ target=“_blank“>GeoTagging Bookmarklet</a> | <a href=“http://1000ff.de/flickr-google-maps-geotagging/“ target=“_blank“>GeoTagging-Infos</a>
  5. Alle Fotos mit GeoTags versehen? Gut, jetzt Yuan.CC Maps besuchen. „Login Flickr“, damit Yuan deinen Flickr-Nick kennt. Sync -> „Sync“ anklicken. Deine Fotos mit GeoTags werden jetzt in die Datenbank aufgenommen.
  6. Jetzt wieder in den „Browse“-Mode und die eigenen Fotos auf der Karte genießen.
  7. Wenn Du möchtest, lass uns doch wissen, dass Du auch unter die GeoTagger gegangen bist. Nimm eins deiner Fotos auf der Karte und schreib uns den „Link to this Page“-Link in die Kommentare.

Tips und Hinweise

  • Bitte beachte die Privatsphäre anderer Leute. Niemand möchte, dass sein Wohnort in Verbindung mit persönlichen Fotos auf einer weltweit verfügbaren Karte ohne Einverständnis zu sehen ist.
  • Nicht jedes Foto muss getagged werden. Für Sportveranstaltungen, Partyfoto-Sets und ähnliches konstatieren wir: Ein Foto reicht! Falls jemand interessiert ist, wird er schon auf die Fotoseite kommen und von dort aus die anderen erreichen können.
  • Das 200-Foto-Limit für Nicht-Pro-flickr-User ist arg eng. Ältere Fotos können trotzdem zumindest auf den Karten wiedergefunden werden.
  • Nutze die Eingrenzung der angezeigten Fotos auf den Karten durch andere Tags. Wer sich nur Fotos mit dem Tag „streetart“ anzeigen lässt, hat plötzlich ein weltweites geographisches StreetArt-Archiv.
  • Tagge den Punkt, an dem Du das Foto geschossen hast, nicht den, an dem sich das Motiv befindet.
  • In allen drei vorgestellten Anwendungen lässt sich durch Doppelklick auf die Karte auf exakt diesen Punkt in der nächsthöheren Stufe zoomen. Unersetzbar, wenn die Orte-Suche mal wieder nicht funktionieren will.
  • Fremde Fotos zu taggen funktioniert – zumindest bei mir – weder mit dem Bookmarklet noch über Yuan.CC. Kleiner Trick dafür: Auf loc.alize.us unter „Create“. Die Punkte nehmen, den Text kopieren und auf der Fotoseite „per Hand“ hinzufügen.

Übrigens…

TechCrunch berichtete Anfang August, dass flickr versehentlich für kurze Zeit ein eigenes GeoTagging-Feature in seinem Menü anbot. Vor kurzem wurde in der flickr-Group GeoTagging berichtet, dass die Subdomain mapstage.flickr.com bereits existiert. Es müsste also mit dem Teufel zugehen, wenn bei flickr hinter den Kulissen nicht bereits eifrig an einer „offiziellen“ GeoTagging-Lösung gearbeitet wird. Einzig problematisch dabei: Flickr gehört Yahoo, Google Maps hingegen dessen größten Konkurrenten. Zwar bietet Yahoo mit Yahoo! Maps einen sehr ähnlichen Service – hier ist die Auflösung aber weniger hoch und es existieren z.B. noch keine deutschen Straßennamen im Kartenwerk, was die Orientierung stark erschwert. Solange flickr zukünftig die gleiche Formatierung für die GeoTags verwendet, soll uns das aber egal sein. Ich bleibe also vorerst bei den Mashups, dem Besten aus beiden Welten.

Und die Zukunft?

In diesem Moment (27. August 06, 00:25) sind 344.693 Fotos mit dem Tag „geotagged“ bei flickr vorhanden. Das sind nicht allzu viele im Vergleich zu 531.956 mal „cat“ oder 696.258 mal „me“. Abzusehen aber ist, dass GeoTagging keine Nischenbeschäftigung bleiben wird. Die Entwicklung steckt noch in den Kinderschuhen, neue, leistungsfähigere Services werden kommen. Viele Kameras lassen sich heute schon mit GPS-Empfängern koppeln oder haben diese integriert, wodurch die Koordinaten automatisch im Foto gespeichert und an flickr beim Upload gleich mit übermittelt werden. Auch durch das Yahoo-eigene Mapping-Feature, dass definitiv kommen wird, dürfte GeoTagging einen Boom erleben. Das birgt Möglichkeiten, aber auch Einschränkungen: Leere Flecken auf der Karte werden seltener, die Datenbanken von Yuan und loc.alize.us immer voller werden. Wir auf der Nutzerseite müssen Möglichkeiten suchen, die auf der Karte angezeigten Fotos einzugrenzen (wir lassen uns ja auch von Google nicht einfach „irgendeine“ Seite anzeigen). Tags sind dafür gut geeignet. Schön wäre aber auch, wenn man zukünftig die Zeiträume wählen könnte, aus denen Fotos angezeigt werden. Auf die Art könnte man die Entwicklung bestimmter Orte über die Zeit dokumentieren oder auch historische Fotos (z.B. Postkartenmotive) archivieren. Die Möglichkeiten sind noch längst nicht erschöpft.

Updates:

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16 Kommentare zu “(Flickr + Google Maps) ² = GeoTagging”

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    […] Seit gestern bietet der Bilderdienst flickr seinen eigenen Dienst fürs GeoTagging (wir berichteten) an. Fotos, die über andere Diensten wie Yuan.CC Maps oder loc.alize.us mit GeoTags versehen hat, lassen sich problemlos importieren. Positiv fällt auf, dass flickr davor warnt, seine Privatsphäre offenzulegen und mehrere Stufen dafür anbietet, wer die eigenen Fotos auf der Karte sehen darf. […]

  • patrickschulze

    danke danke! wunderbar be/geschrieben.

  • GeoTagger

    Hi,

    ein weiteres – sehr ausgereiftes – Tool, um eigene Bilder in Google Maps anzeigen zu lassen:

    http://www.panoramio.de/

    (Auch für Anfänger geeignet.)

    Grüßle

  • Citronengras » Blog Archive » Orientierung

    […] Ich find die Dinger ja gar nicht so schlecht. Persönlich kann ich bezeugen, dass sich meine Orientierungsfähigkeiten merklich verbessert haben, seitdem ich viele meiner Fotos bei Flickr geotagge. Hat doch auch was, zu wissen wo man steht und geht. Wenn ich sicher sein kann, dass mein Mobiltelefon nicht – neben dem Netzbetreiber – auch noch Google und Herrn Schäuble jene Informationen zukommen lässt, warum nicht? Und die Spielerchen, die diese Dinger ermöglichen, hach… Bloß um das Nach-dem-Weg-fragen tut’s mir etwas leid. Denn natürlich habe ich auch schon dem einen oder anderen ganz besonders lässigen Sportwagenfahrer einen Weg genannt, der nicht ganz direkt zum Ziel führt. In purer Absicht. […]

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  • gpsdings

    Das Java-Kommandozeilenprogramm gpsdings (http://gpstools.sf.net) ermöglicht es, digitale Fotografien mithilfe des gespeicherten Tracks eines mitgeführten GPS-Empfängers automatisch zu georeferenzieren.

  • Daniel

    Hallo,

    habe gerade mal einen einfaches und übersichtliches Interface zur allgemeinen Geocodierung von Bildern, Blogeinträgen oder Webseiten erstellt. Unter MyGeoPosition.com können Adressen geokodiert werden, die Ergebnisse können zudem per drag&drop modifiziert werden.

    Dazu werden dann automatisch Geotags und auch Geo-Metatags erzeugt.

    Würde mich über ein Feedback freuen :-)

    Beste Grüße,
    Daniel

  • Bo

    hi, was haltet von http://www.locr.com ??

    Locr arbeitet statt mit der schlecht auflösenden Yahooo Map mit der Google Earth Map. Beim lokalisieren der Bilder werden automatisch Hintergrundinformationen generiert. Die Bedienung ist anwenderfreundlich.

  • maloXP

    locr bindet nicht die Flickr-API ein, sondern hat seinen eigenen Bilderpool. Deswegen gilt das gleiche wie zu Panoramio (Kommentar 5): Nette Sache, aber an Flickrs Fotovielfalt kommt ihr nicht heran. Wer Flickr-Fotos auf Google Maps haben will, sollte sich loc.alize.us anschauen. Ich bin ja sowieso der Meinung, dass man eine funktionierende Idee nicht in tausendfacher Ausführung tot-kopieren sollte. Siehe twitter oder digg. Das ist so typisch Web 2.0, ey…

  • der Hase

    Gibt es schon Kameras die einen GPS-Empfänger integriert haben und die Fotos automatisch taggen?

  • maloXP

    @ der Hase: Bis jetzt so gut wie keine (hier habe ich eine gefunden), allerdings kommen immer Handys und Handhelds auf den Markt, die sowohl GPS als auch Kamera integriert haben und den Ort einer Aufnahme in den EXIF-Daten speichern können. Das ist natürlich nix für einen ambitionierten Fotografen. Da es aber immer stärker einen Markt für GPS-Dongles zu geben scheint, könnte das das „nächste große Ding“ sein, wenn den Konsumenten die Megapixel-Bombasterie endlich anfängt auf den Wecker zu gehen.

  • misterx

    Jetzt muss ich mal bescheuert fragen?? Wie bekomme ich das ding mit Flock zum laufen??
    http://labs.sumaato.net/scripts/localizeBookmarklet.js

  • Frank

    Wie in jedem anderen Browser. Zieh den Link in deine Favoriten/Bookmarks, geh auf die Seite eines deiner Flickr-Fotos und klicke auf den Link in deinen Bookmarks.

    Hier ein Tutorial zur Funktionsweise von Bookmarklets als Video:


    YouTube direkt: Normal | HiQ | Download

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