Als ich neun Jahre alt war und meine Eltern die Quengelei nicht mehr ertragen konnten, bekamen wir endlich Kabelfernsehen. Mit der Sendung mit der Maus oder Peter Lustigs Löwenzahn konnte man 1994 einfach keine Pausenhof-Credibility mehr aufbauen.

Dass dieser Schritt eindeutig falsch war, merkten die restlichen Mitglieder der Familie meist am Wochenende, gegen zehn Uhr morgens, wenn ich wie gewohnt seit drei Stunden wach war und meine Vorfreude auf das gleich beginnende Spektakel im Privatfernsehen kaum noch verbergen konnte; geschlossene Schlafzimmertür hin oder her.

Games World auf Sat.1! Nintendo! Sega! Kinder! DAS HÄTTE ICH SEIN KÖNNEN!


(Direkt-GamesWorld Part 1, Part 2, Part 3)

Wie habe ich diesen Blödsinn geliebt. (Weder damals noch heute konnte ich die Frage meiner Schwester beantworten, warum man sich im Fernsehen anschauen sollte, wie jemand ein Videospiel spielt. Die eigene Konsole steht doch direkt daneben!)

Der Moderator von Games World, Robby „Master of the Games“ Rob, verdient eigentlich ein mehrteiliges 1000ff-Special plus Gedenkschrein mit Fotos und Kerzen.
Robert Viktor Minich, so sein bürgerlicher Name, hat zwar recht schnell die Sonnenbrille an den Nagel gehängt, ist aber noch häufiger im TV zu sehen gewesen. Laut seiner imbd-Seite hatte er u.a Rollen bei Medicopter 117 (ha ha!), Doppelter Einsatz, Der Fahnder, Schimanski und Tatort. Auch im Fernsehfilm Stauffenberg von 2004 war er zu sehen.

Doch nicht nur Sat.1 hatte den Zeitgeist richtig erfasst, auch RTL2 kam Mitte der Neunziger mit einem nicht minder trashigen eSport-Format um die Ecke: Play Time TV.


(Direkt-PlayTimeTV)

„Schön, dass ihr euch alle wieder eingeloggt habt!“ — Ja, vielen Dank nochmal!
Zirka 1995 wurde sich dann gemeinschaftlich wieder ausgeloggt und die Sendung abgesetzt. Zusammen mit Play Time, der Printausgabe des Spielemagazin vom Computec-Verlag, verschwand der 16bit-eSport aus dem deutschen Fernsehen.

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5 Kommentare zu “Der frühe eSport: Games World und Play Time TV”

  • Sebastian

    Klasse! Games World war absolutes Pflichtprogramm damals. Ich habe sogar noch die Erstausgabe des Games World Magazins, welches absoluter Schrott war. Aber relativ witzig geschrieben, wenn ich mich recht erinnere. Play Time TV ging an mir vorüber, nicht vergessen werden darf aber auch der etwas biedere ZDF-Versuch, mit solch einer Sendung bei den Jugendlichen Fuß zu fassen – X-Base, Moderator war der damals noch vollkommen unbekannte Niels Ruf, was die Sendung aber auch nicht cooler machte. Dort saß meine Schwester sogar mal im Publikum :-)

    PS: Games World hat damals sehr schön gezeigt, dass 3D nicht automatisch gut bedeutet. Das Virtual Reality-Spiel war sicher unwahrscheinlich teuer, aber sehr grottig. Käse aufsammeln *lol*

  • Frank

    An Games World erinnere ich mich ebenfalls noch recht gut. In dieser Finalfolge gar nicht zu sehen war das interaktive Element. Da konnten nämlich pro Folge sonst auch immer einmal Zuschauer anrufen und per Telefontastatur zocken. Das gab immer mordsmäßig Ärger, wenn jemand mal wieder beim Bomberman-Zocken abstank, weil derjenige kein Telefon mit Tastatur, sondern mit Wählscheibe hatte. Tja.

  • Simon

    Wir haben uns schon damals* über diesen Beameffekt lustig gemacht, den die Verlierer über sich ergehen lassen mussten. Für die Zuschauerkinder im Studio wird das auch bestenfalls enttäuschend ausgesehen haben.

    Der Ausruf „Beamen! Beamen!“ hat sich bis heute bei meiner Schwester als Running Gag erhalten, wenn im Fernsehen wer was Peinliches sagt.

    Von X-Base im ZDF hab ich hingegen gar nichts mitbekommen. Im Artikel wird ja klar, dass der ÖR zu der Zeit bei mir nicht so angesagt war. :) Meine Rechnung: Games World + ran = Sat.1 ist der beste Sender der Welt.

    * Wenn etwas fast 15 Jahre her ist, kann man schon von „damals“ sprechen, oder?

  • Sebastian

    Lustig gemacht haben wir uns nur über die „Endgegner“ – vor allem diesen Gangsta Rapper. „I got you“ :-)

  • Sven

    Genial, danke für die kleine Zeitreise!


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