100 3732Neulich, beim Kartoffelschälen, erinnerte ich mich unwillkürlich an ein Spiel, das vor Jahren Kultstatus in Kreisen genoss, in denen ich verkehrte. Lange, schlaflose Nächte verbrachten wir vor dem Computer, kippten geistige Getränke, bearbeiteten Maus und Tastatur, vergaßen darüber, für’s anstehende Abi zu lernen, um uns im ewiggleichen Kampf – Mann gegen Mann – zu messen. Auf, dass einer emporsteige, sich über alle anderen erhebe und den Ball über das Netz befördere. Wir waren berauscht. Die Rede ist von Blobby Volley.

blobby gelbBei meinem Kumpel C. sah ich das Spiel zum ersten Mal. Anfangs fand ich es grotesk, dass in diesem Spiel Gallertbrocken wabbelnd versuchten, einen Volleyball, der beinahe so groß war wie sie selbst, über ein perspektivisch merwürdig aussehendes Netz zu befördern. Dies verflog aber, denn die bunten kleinen Dinger, die so hoch hüpfen konnten, waren irgendwie niedlich. Die merkwürdige Regenbogenschrift, der deplatzierte Waikiki-Strandhintergrund, die perfekte Ballphysik, die Einfachheit eines 2D-1on1-Volleyballspiels in der Seitenansicht wussten mich irgendwie zu fesseln. Nur der furchtbare Pfiff am Anfang eines Spieles war etwas, an dass ich mich nie gewöhnen sollte.

Es war wie eine Sucht, es war wie ein Virus. Das 800 Kbyte große Freeware-Spiel verbreitete sich in meinem Freundeskreis. Und nicht nur da: Immer wieder war auch von LAN-Parties zu hören, auf denen zwischen CS und WC auch eine Runde BV eingelegt wurde. Ich selber war ja nie auf einer solchen Veranstaltung, kann mir aber gut vostellen, dass man da auch mal Lust auf etwas Anspruchsvolles hat. Bei Google gibt es 158.000 Einträge für „Blobby Volley“, wie selbstverständlich scheint jeder seine eigenen Geschichte zu diesem Spiel erzählen zu können..

Blobby Volley Screenshot
Nicht undiffizil: Computergegner Carl, hier nur halb im Bild

Irgendwann aber verstaubt alles. Wegen eines Virenproblems musste ich meine Festplatte formatieren und Blobby Volley war weg. Als ich mich neulich jedoch nach Jahren der Abstinenz daran erinnerte, wurde ich bei Google sofort fündig. Blobby Volley gibt es noch. Und nicht nur das – der Kult um das Spiel dauert an. Blobby Volley hat einen Wikipedia-Eintrag, eine (zugegeben: abgespeckte) Java-Version, es gibt eine Blobby Volley-Liga und es wird an einem 2. Teil gearbeitet. Das sind doch Nachrichten. Und ich spiele schon wieder.

Blobby Volley ist ein Spiel von Daniel Skoraszewsky und Silvio Mummert. Es läuft auf jedem Rechner. Auf wirklich jedem. Unter Windows ab 95. Die ZIP-Datei ist 794 KB groß und kann unter anderem in der Download-Sektion der Blobby-Liga heruntergeladen werden.

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2 Kommentare zu “A Boy and his Blob”

  • Citronengras » Blog Archiv » Pong

    […] Das Spiel Plasma Pong ist bemerkenswert. Nicht nur wegen der grafischen Opulenz und der Erweiterungen des klassischen Pong-Konzepts (Schockwellen!), sondern auch aufgrund des Soundtracks, der selbst Hardcoregothrockmuffel wie mich euphorisiert. Der Mehrspielermodus hat vielleicht sogar das Potential, Blobby Volley vom Thron zu stoßen. Plasma Pong ist von Steve Taylor, gibt’s leider nur für Windows, ist kostenlos und hat in der aktuellen Version 1.3b ein Gewicht von 7,41 MB. —– […]

  • Sebastian

    (Ich lese grade die Game-Beiträge um zu gucken, ob ich dem überhaupt etwas hinzuzufügen habe)

    Wie beim Thema alte Menschen in der U-Bahn hat hier wohl tatsächlich jeder seine eigene Geschichte zu dem Spiel (die im Wesentlichen lautet: kurze Zeit ganze Nächte durchgespielt). Sehr beliebt war es auch im EDV-Unterricht, der ja auch bei jedem gleich abläuft, unfähiger Lehrer versucht mit Excel klarzukommen, während die Klasse Tuniere veranstaltet und sich so Netzwerkkenntnisse aneignet. Der Computergegner war aber wahnsinnig schwer zu knacken.


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